Feuerteufel 2017

Feuerteufel 2016

 

Luzifer auf dem Scheiterhaufen - und ein Haufen lodernder Christbäume

 

 Der «Feuerteufel» auf dem Bauspielplatz am 16. Januar bot rund 50 Schaulustigen ein feuriges Spektakel und die Gelegenheit, die letzten Christbäume zu verbrennen.

 

Es soll Leute geben, die glauben, ein Bauspielplatz eigne sich bloss für sommerliche Aktivitäten (ein anderes Opfer solcherart gepolten Fehlglaubens ist übrigens das Velo, dies nur nebenbei). Es soll des weiteren Leute geben, die beim Gedanken an den Winter kalte Füsse bekommen. Zweiteres ist, so weit soll das Verständnis gegenüber den weniger outdoor-erprobten Mitbürgern reichen, schon eher nachvollziehbar, aber zusammen mit ersterem – dem Irrglauben bezüglich Platznutzung – ergab sich bei der Zusammenstellung des Jahresprogramms eine Herausforderung für den Vorstand des Bauspielplatzes: Das Gremium nahm sich nichts Geringeres vor, als diese zwei volkstümlichen Irrlehren zu widerlegen. Mit der Ausführung eines entsprechenden Anlasses wurden zwei ausgesuchte Vorstandsmitglieder betraut, deren pyromanische Adern sommers wie eben auch winters gut sichtbar unter der Haut pulsieren.

 

 Top of the Scheiterhaufen

 

Da man sich nicht lumpen lassen sollte, wenn man schon das Maul so weit aufreisst, haben sich die Vorbereitungen für dieses Feuerspektakel – denn mit Feuer ist kalten Füssen am ehesten beizukommen, und gegen die winterliche Dunkelheit hilft wohl irgendetwas mit Licht – über zwei Wochen hingezogen, ein grosser Teil davon in der Werkstatt. Da auch die härtestgesottenen Kerle und Kerlinnen in der Kälte etwas Teuflisches zu sehen vermögen, entstand immer klarer die Vorstellung, welche Form das zu bietende Feuer haben würde: Der Kopf des Leibhaftigen soll dran glauben! Ein Glück hierbei, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben, denn hätte man damals Luzifer, den «Lichttragenden», auf den Scheiterhaufen gestellt, hätte man sich als Hexe(nmeister) gleich dazugesellen müssen.

 

Licht, Schall und Rauch

 

Am Samstagabend (21. Jahrhundert) fanden sich also gegen fünfzig Schaulustige ein, um zu erfahren, warum der Stadtzürcher Böögg (Schneemann = politisch und religiös korrekt) nur etwas für Anfänger ist. Kurz nach dem Eindunkeln durfte Geburtstagskind Robin zur Feier seiner 13 Lenze die Lunte entzünden. Das Flackern wanderte zwar etwas gar gemächlich nach oben, Füsse drohten schon zu erkalten, doch bald erreichte das brennende Pünktchen, untermalt vom Knistern des dahinter lodernden Feuers, den Ort seiner Bestimmung, namentlich die Schädelbasis des Teufelskopfes, in dem sich eine pyrotechnische Choreographie versteckt hielt. Dass dieses Versteck beim Kontakt mit Feuer auffliegen würde, war den Anwesenden klar, schliesslich haben Erbauer eines solchen Kopfes selber die grösste Freude an ihren Vorbereitungen und verspüren den Drang, allen davon erzählen.

Die getaktete Abfolge von Lichtblitzen, Vulkanen aus Mund und Augenhöhlen, Rauch und Knallfürzen, die diese Winternacht erfüllten, sorgte für Ahs und Ohs und Applaus, bis schliesslich der ganze gehörnte Schädel in Flammen stand.

 

Der zweite Teil des Feuerspektakels, die brennenden Überreste des Kopfes nutzend, war nun eine Einladung an alle, ihren mitgeschleppten, vertrockneten Christbaum thermisch zu verwerten. Mit Wurst und Heissgetränk in den Händen, die Hitze von etlichen brennenden Christbäumen im Gesicht, waren die BesucherInnen des Feuerteufels allesamt lebende Beweise für das, was zu beweisen war: kalte Füsse lassen sich behandeln, und der Bauspielplatz macht keinen Winterschlaf.